Wir brauchen mehr „Work-Learn-Balance“

(© Melanie Vogel) Bildungsverantwortliche haben es seit Jahrzehnten sträflich versäumt, das Bildungssystem auf die Anfordernisse einer zutiefst veränderten Arbeitswelt anzupassen. Wir gönnen uns Hunderte verschiedene Ausbildungsberufe und mehrere Tausend unterschiedliche Bachelor- und Masterstudiengänge, die schon früh zur (Über-)Spezialisierung (manchmal auf sogar nur einen Arbeitgeber) drängen, während der Blick in die Zukunft generalistische Ausbildungen und Kompetenzen dringend erforderlich machen würde.

Bildung und Ausbildung sind eine Investition in die Zukunft und ein krisenunabhängiger unternehmerischer und persönlicher Anlagewert. Trotzdem zeigen Umfragen immer wieder, dass Weiterbildung in kaum einem EU-Land so vernachlässigt wird, wie in Deutschland. „Lebenslanges Lernen“ ist nach wie vor nicht mehr als eine Phrase – und das wird zunehmend gefährlich!

Wollen wir zukunftsfähig bleiben, müssen wir die Art des Lernens und unsere dem Lernen gewidmeten Zeitspannen überdenken, indem wir Lernen als flexiblen Appendix in unser Leben integrieren. Lernen ist mehr denn je Teil unserer Arbeit und eine elementare Voraussetzung dafür, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Lernen bedeutet in Zukunft nicht nur das Aneignen neuen Wissens und neuer Kompetenzen, sondern auch das bewusste Ver-Lernen von veralteten Informationen, die in einer veränderten Umwelt zum mentalen Ballast werden. Lernen bedeutet, persönliche Verantwortung für unsere geistigen Denk- und Handlungsmuster zu übernehmen. Lernen ist gleichbedeutend mit gedanklicher Mobilität.

Diese Kompetenz vermittelt unser Bildungssystem nicht. Die Verantwortung dafür liegt einzig und allein bei uns – und den Arbeitgebern. Eine ausgewogene „Work-Learn-Balance“ mit kürzeren oder längeren „Bildungspausen“ sollte daher fester Bestandteil von soliden und zukunftsgerichteten persönlichen und unternehmerischen Entwicklungsmaßnahmen sein.